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Warum Frauen häufiger von Kreuzbandrissen betroffen sind – und wie man vorbeugt

Kreuzbandrisse gehören zu den schwersten Verletzungen im Fußball – und Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, mit einem bis zu 6-fach höheren Risiko. Die Gründe sind vielfältig:

Ursachen und Risikofaktoren

Anatomie
Breiteres Becken führt zu größerem Q-Winkel, wodurch das Knie stärker nach innen kippen kann
Engere Kniekehle (interkondyläre Notch), durch die das Kreuzband verläuft
Andere Beinachse und Fußstellung als bei Männern

Hormone
Östrogen und Progesteron beeinflussen die Festigkeit der Bänder
Verletzungsrisiko schwankt über den Zyklus, besonders rund um den Eisprung

Bewegungsmuster
Landung nach Sprüngen häufig mit durchgestrecktem statt gebeugtem Knie
Tendenz zu Knievalgus (Knie fällt nach innen) bei Landungen und Richtungswechseln
Schwächere Hamstring-Muskulatur im Verhältnis zum Quadrizeps – die Hamstrings stabilisieren normalerweise das Kreuzband

Weitere Faktoren
Geringere Rumpf- und Beckenstabilität
Weniger konsequentes Präventionstraining, da der Frauenfußball historisch, vor allem im Amateurbereich weniger professionalisiert war
Schuhwerk und Spielfeldbeläge sind oft von Männerausrüstung abgeleitet und nicht an weibliche Biomechanik angepasst

Gefahren bei ungenügender Prävention
Riss des vorderen (häufiger) oder hinteren Kreuzbands
Lange Ausfallzeiten (meist 8-12 Monate Rehaphase)
Bei einem doppelten Kreuzbandriss sind oft auch andere Strukturen im Knie wie die Menisken, die Seitenbänder oder die Gelenkkapsel schwer verletzt
Erhöhtes Risiko für erneuten Riss nach Rückkehr ins Training
Langfristig höheres Risiko für Knorpelschäden und Arthrose im Knie

dfb-akademie.de: Auffälligkeiten in fußballspezifischen Bewegungsmustern gilt es frühzeitig zu identifizieren, um wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln. So kann dazu beigetragen werden, die Häufigkeit und die schwerwiegenden Auswirkungen von VKB-Verletzungen im Fußball zu verringern, um die langfristige Gesundheit zu sichern sowie den sportlichen Erfolg der Spieler*innen zu ermöglichen.

Effektive, abgestimmte Prävention

Aufwärmprogramme mit Präventionsfokus
Das bekannteste Konzept ist FIFA 11+. Wer es konkret umsetzen will, kann sich an folgender 15-minütiger Routine orientieren, die das klassische Aufwärmen direkt vor dem Balltraining ersetzt. Oberstes Gebot bei allen Übungen: Knie immer stabil halten, kein Einknicken nach innen ("Knie über Zehe").

Teil 1: Laufübungen & Dynamik (ca. 5 Minuten) Paarweise nebeneinander aufbauen, Distanz ca. 6–10 Meter.
Geradeauslauf: Leichtes Einlaufen im moderaten Tempo (2 Durchgänge)
Hüfte öffnen/schließen: Im Vorwärtslaufen abwechselnd das Knie anheben und nach außen/innen drehen (je 2 Durchgänge)
Partner-Kontakt: Seitliches Anfersen / Sidesteps, beim Treffen in der Mitte leicht mit der Schulter des Partners springend Kontakt aufnehmen (2 Durchgänge)

Teil 2: Kraft & Stabilität (ca. 6 Minuten) Jede Übung ohne Pause, Fokus auf exzellente Form.

Teil 3: Sprünge & Landetechnik (ca. 4 Minuten) Sanfte, leise Landung auf den Vorfüßen mit tiefem Körperschwerpunkt.
1. Vertikalsprünge mit Landekontrolle (2 × 6 Wdh.): Aus dem Stand hochspringen, bei der Landung Knie und Hüfte tief beugen, 2 Sekunden in der tiefen Position halten
Seitliche Sprünge über eine Linie (2 × 10 Sek.): Rhythmisches Hin- und Herspringen auf einem Bein, stabile Hüfte halten
Abstoppen & Richtungswechsel (3–4 Wdh.): 4-5 Schritte sprinten, abrupt auf einem Bein abstoppen (Knie gebogen!), 1 Sekunde halten, im 45°-Winkel explosiv die Richtung wechseln
Wird diese Routine zweimal pro Woche vor dem Training durchgeführt, zeigt sich nach etwa 4–6 Wochen eine deutliche Verbesserung der automatisierten Landemechanik.

2. Kräftigung der Hamstrings Nordic Hamstring Curls (siehe oben) regelmäßig ins Krafttraining einbauen, um das Knie zusätzlich zu entlasten.

3. Rumpf- und Hüftstabilität Planks, Side Planks und Single-Leg-Übungen (siehe Teil 2) verbessern die Kontrolle über die Beinachse dauerhaft.

4. Individuelle Risikofaktoren berücksichtigen Trainerinnen und Trainer sollten muskuläre Dysbalancen oder frühere Verletzungen im Blick behalten und das Training entsprechend anpassen.

Fazit Prävention ist kein Zusatzaufwand, sondern gehört zwingend in den Trainingsalltag. Vereine, die eine strukturierte Routine wie oben beschrieben konsequent zweimal pro Woche umsetzen, senken das Verletzungsrisiko nachweislich.

Hinweis Dies sind nur Tipps und Anregungen zum Thema und sind keine wissenschaftlich medizinischen Ratschläge. Im Einzelfall selbstverständlich immer zu Prävention und Reha-Maßnahmen Mediziner und Fachleute befragen.